Donnerstag, 23. Juli 2015

Hauptberuflich Spielkind

Voll konzentriert: Amalie bei der "NVIDIA GeForce GTX Challenge" Foto: Turowski

VIDEOGAMES Amalie ist in Norwegen ein kleiner Star - sie spielt Computerspiele, während Tausende ihr online dabei zugucken

Amalie Marie Reisvaag macht das, wovon viele Jugendliche nur träumen können: Die 18-Jährige verdient Geld, indem sie Videospiele spielt und das allen, die es gerade sehen wollen, live zeigt. Amalie, im Internet besser bekannt als "Proxyfox", ist eine norwegische Streamerin. Seit zwei Jahren unterhält sie ihre stetig steigende Anzahl an Fans, indem sie Videospiele wie "League of Legends", "Hearthstone", "Counter Strike" oder aber Gitarre spielt. Das Spiel, das die meiste Zeit ihrer Streams einnimmt, ist "League of Legends". Es fällt in das Genre MOBA, kurz für Multiplayer Online Battle Arena, und ist theoretisch ein recht simples Spiel.
Zwei Teams bestehend aus fünf Kriegern die jeweils von einer Person gespielt werden, treten gegeneinander an. Das Spielfeld besteht aus zwei gegenüberliegenden Basen, die über drei Wege miteinander verbunden sind. Ziel des Spiels ist die Zerstörung des gegnerischen Hauptgebäudes, in "League of Legens" Nexus genannt.
Klingt zunächst einfach. In der Praxis ist das Spiel jedoch deutlich komplizierter, da es eine Vielzahl an wählbaren Charakteren gibt, die unterschiedliche Fähigkeiten besitzen und unterschiedliche Funktionen einnehmen.
Wenn Amalie mal nicht vom heimischen Sofa sreamt, liegt das nicht unbedingt daran, dass sie etwas anderes macht, sondern nur daran, dass sie woanders sitzt. Wie zum Beispiel am Samstag bei der "NVIDIA GeForce GTX Challenge", einem Livestreamevent in Köln, bei dem Streamer und Youtuber aus ganz Europa in verschiedenen Spielen gegeneinander antraten. Eingeteilt wurden die Teilnehmer entsprechend ihrer Herkunftsländer in sieben Teams: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien, Italien und Nordics, Amalies Team.
Auf dem Turnier-Plan standen sechs verschiedene Spiele, darunter "Counter Strike", ein First-Person-Shooter, "Shovel Knight", ein 2D-Platformer, in dem es darum ging, ein Level möglichst schnell zu beenden, "Dota2", ein weiteres MOBA ähnlich "League of Legends", und "Project Cars", ein realistisches Autorennspiel.
Die Spiele gehören den unterschiedlichsten Genres an, sodass möglichst kein Teilnehmer aufgrund seiner oder ihrer Vorliebe für ein spezielles Spiel bevorteilt wurde. Jedes Team musste sich in jedem Spiel beweisen. Am Ende wurden die Punketstände zusammengefasst, um einen Sieger zu ermitteln. "Wir haben uns unter anderm vom "Eurovision Songcontest" inspirieren lassen, denn so einen Länderclash zwischen Livestreamern und Youtubern gab es noch nicht.", sagt Christian Beer, einer der Initiatoren des Events.
Den Spieler-Contest hat Amalie diesmal nicht gewonnen. Die Sieger kamen aus Polen, der zweite Platz ging an Deutschland. Immerhin: Das Nordic-Team schaffte es auf Platz drei. Als Belohnung durften die Teams High-End-Technikgeräte einheimsen, um sie jeweils einem glücklichen Fan zu vermachen. Und Fans gibt es viele: Die Challenge wurde online teils von rund 30 000 Fans live verfolgt.
Amalie erklärt sich den starken zuwachs der eSports-Branche durch die zunehmende Verfügbarkeit der nötigen Technik, um sich Livestreams anzusehen, Videospiele zu spielen oder sogar selbst zu streamen. "Heutzutage bekommen Kinder im Alter von acht oder zehn Jahren ihren ersten Rechner oder ihre erste Konsole. Die meisten Kinder und Jugendliche spielen Videospiele und dementsprechend lassen sich diese und das nötige Zubehör auch gut vermarkten.", so Amalie.
Doch nicht jeder Jugendliche wird mit Livestreaming so erfolgreich wie (die) 18-Jährige. Dank vieler Fans und Sponsoren ist Streaming mittlerweile Amalies Hauptberuf. "Ein Job der mir wirklich Spaß macht.", versichert sie. "Während meine vorherigen Jobs eher lästig waren, freue ich mich auf das Livestreamen und auch alles andere, wie darauf den Stream vorzubereiten."
Bei so viel Erfolg ist es nicht verwunderlich, dass bei anderen auch mal Neid aufkommt. "Natürlich fragen sich einige: Verdammt, dieser Streamer hat in der selben Zeit zehnmal so viele Follower wie ich gemacht, was habe ich falsch gemacht? Aber ich denke das ist eine Frage des Geschmacks. Manche Leute wollen zum Beispiel gerne große Brüste während des Spiels sehen. Da liegt es dann am Livestreamer zu entschieden: Will ich bekannt sein, weil ich erfolgreich in >>League of Legends<< bin, oder weil ich große Brüste habe?"
Auch wenn Amalie in Norwegen und auf Gaming-Events weltweit erkannt wird, will sie nicht als Star angesehen wrden. Sie möchte einfach weiter spielen.

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