Freitag, 25. März 2016

"Ich rede ungern über kritische Themen"



Rapper und Sänger Berkan Akbiyik alias BRKN über Genre-Schubladen, Akustikkonzerte und Spaßmusik. © Ferhat Topal/Andrej Filatow
Hallo BRKN. Letztes Jahr warst du die Vorgruppe bei Alligatoahs Akustiktour. Dieses Jahr begleitest du ihn am Klavier. Was hat sich sonst noch so verändert? Im Grunde genommen bin ich noch im komplett gleichen Modus wie letztes Jahr: Zweieinhalb Tagedie Woche arbeiten und den Rest Musik machen. Es hat sich insofern etwas verändert, als dass es dieses Jahr etwas professioneller zugeht. Ich bin mega-dankbar dafür, dass ich dieses Jahr die Begleitung machen darf und beim Haupt-Act dabei bin. Und natürlich, dass mein Kumpel Dazzle die Vorband machen darf. An sich hat sich amStatus nicht viel verändert. Ich meine: Wir sitzen hier in der Stadthalle und hier liegen Kinder-Countries und Snickers auf dem Tisch. Das ist doch schon mal was.

Habe ich denn gerade richtig gehört, dass Musik noch nicht dein Hauptberuf ist?
Ja, das ist sie leider noch nicht. Das
wäre schön, aber so weit sind wir
noch nicht.

Wie würdest du die Musik die du machst, bezeichnen? Liege ich damit Hip-Hop, beziehungsweise Rap richtig?
Ja, da liegst du auf jeden Fall ein bisschen richtig. Bei meiner Musik ist es mit den Bezeichnung ein wenig schwierig. Ich bin auch nicht wirklich ein Freund davon. Im Endeffekt brauchen Journalisten die Bezeichnungen, damit sie darüber schreiben können und damit Leute die Musik irgendwie einordnen können ohne sie zu hören. Es ist auf jeden Fall Hip-Hop, da ist auch Rap dabei, aber da ist auch genauso Soul, R’n’B und Funk mit drin oder vielleicht auch Pop oder Jazz. Am Ende kommt einfach raus, was dabei raus kommt. Meistens liegt ein Beat drunter. Außerdem ist für mich alles Hip-Hop. Für mich gibt es da keine Regeln. Wäre auch Quatsch.

Du begleitest Alligatoah heute am Klavier, ich habe dich allerdings auch schon viele andere Instrument spielen sehen, wie Gitarre oder Bass. Lange bevor du mit deiner Musik  warst, hast du schon Beats für andere gemacht. Wie ist dein Kreativprozess?
Das ist immer anders. Manchmal hat man eine Hook im Ohr, manchmal setzt man sich hin und macht einen Beat und dann fällt einem der Text ein, manchmal hat man einen Ton und/oder eine Grundatmosphäre oder man denkt, man würde gerne darüber oder darüber was machen. Manchmal setzt man sich auch einfach ans Klavier.

… und heute begleitest du Alligatoah am Klavier. Bei „Akkordarbeit 1“ wurde er an de Gitarre begleitet, jetzt mit Klavier. Das hört sich für mich für Rap ziemlich neu an. Wiekam es dazu?
Ja, das ist ein geiles Ding. Alligatoah dachte sich: “Mach ich mal eine Akustik-Tour.“ Mittlerweile ist er ja auch längst nicht mehr der einzige Rapper, der sowas macht. Es gibt viele, die Akustik-Versionen von ihren Liedern heraus bringen.

Alligatoah ist unter anderem für seine gesellschaftskritischen Texte bekannt. In deinen Lieder geht es mehr ums Spaßhaben, Liebe und andere erfreuliche Dinge des Lebens. Was möchtest du mit deinen Liedern bezwecken?
Bei meiner letzten EP habe ich in der Tat nur das, was mir gerade in Kopf kam, aufgeschrieben. Ich rede generell eher ungern über politische oder kritische Themen, da ich mir ein schöneres Gespräch mit jemandem vorstellen kann. Du hast natürlich Recht: In einigen Lieder geht es bei mir hauptsächlich darum: “Ich bin jung, ich bin pleite und so.“ Aber bei Liedern wie “Herz oder Zahl“ oder “YumYum“ steckt auch glaube ich ein bisschen mehr dahinter. “Herz oder Zahl“ fängt an mit “Scheiß auf Liebe, alles was ich haben will kriegt man für Geld.“. Da versteht man glaube ich den gesellschaftskritischen Aspekt dahinter.

Du hast in einem Interview gesagt, dass deine Lieblingsmusikrichtung der Funk ist…
…weil Lieblingsmusikrichtung der gefragte Begriff war. Wo ich letztendlich zu Hause bin, beziehungsweise was mich am meisten geprägt hat, ist der Soul, Neo-Soul und R’n’B. Ich bin mit Hip-Hop und Rap aufgewachsen, ganz klar, ich habe aber auch als kleines Kind Metallica oder anderen Quatsch gehört. Als ich das erste Mal D’Angelo-Alben gehört habe, dachte ich mir: “Boah ,Digga: Das ist der Shit!“ Ich liebe diese ganzen alten Soul-Sachen und Funk und P-Funk. Da wird einfach mein Herz ergriffen, aber genauso höre ich mir Jazz oder Jimi Hendrix oder Subtract oder irgendetwas anderes an. Es gibt einfach so viel gute Musik, dass es eigentlich Zeitverschwendung wäre, sich halbgute Lieder anzuhören, weil es in jeder Ecke einfach so krassen Scheiß gibt.

Bei der Akkordarbeit im letzten Jahr habt ihr hauptsächlich in kleineren Stätten gespielt. Dieses Jahr seid Ihr in der Stadthalle. Was glaubst du macht die Atmosphäre einer Akustiktour aus?
Für mich waren das letztes Jahr die größten Auftritte, die ich bis dahin gespielt hatte, von daher war mir das relativ egal. Ein Vorteil an solchen Spielorten ist natürlich, dass die Leute sitzen und stehen und bouncen, was auch nicht verkehrt ist. Aber wenn alle sitzen und dir gespannt zuhören, dann ist das schon eine etwas intimere Atmosphäre. Das ist geil! Genauso wie es geil ist, wenn 7000 Leute irgendwo stehen und die Hand heben. Warum Alligatoah letztes Jahr so klein und dieses Jahr so groß gebucht hat? Musst du wohl jemand anderen fragen.

Erschienen im Kölner Stadt Anzeiger (28.01.2016)

Tickets für seine kommende Tour: http://bit.ly/BRKNtickets


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